updated: 29.03.2026
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Das obige Bild zeigt eine Gegenüberstellung Spektren von Sternen unterschiedlicher Oberflächentemperatur. Die unterste Stern ist der kälteste (M-Stern), der oberste ist der heisseste (B-Stern). Der Merksatz "Offenbar benutzen Astronomen furchtbar gerne komische Merksätze" hilft dabei, sich die Reihenfolge der historisch gewachsenen Sternklassifikation zu merken. Während manche Linien mit steigender Temperatur (von unten nach oben) verschwindet, so entstehen andere Linien wiederum erst bei höherer Temperatur. Außerdem gibt es eine Verschiebung des spektralen Maximums von rechts unten (rot) bei den kühleren Sternen nach links oben (blau) bei den heisseren Sternen.
Abgesehen vom M-Stern Beteigeuze handelt es bei den im Orion befindlichen Sternen vor allem um junge, heiße B-Sterne. Hier dominieren die Balmerlinien des Wasserstoffs und es werden kaum andere Linien sichtbar. Dafür wird der Einfluss der Leuchtkraftklassen sichtbar der sich maßgeblich in der Druckverbreiterung dieser Linien bemerkbar macht. Drei Sterne aus dem Sternbild des Orion habe ich herausgepickt, um an ihrem Beispiel den Einfluss der Leuchtkraftklassen zu verdeutlichen.
Während sich Sterne der Leuchtkraftklasse V auf der Hauptreihe befinden, besitzen Sterne der Leuchtkraftklasse I oder 0 die größtmögliche Oberfläche und daher die maximale Leuchtkraft. Sie befinden sich weiter oben im Herzsprung - Russel - Diagramm als die Hauptreihensterne besitzen besonders scharfe, detailreiche Linien. Dies liegt daran, dass sich die Materie der lichterzeugenden Regionen weiter weg vom Gravitationszentrum befindet und somit einer geringeren Schwerebeschleunigung ausgesetzt sind. Die meisten Atome besitzen eine geringere kinetische Energie, daher entsteht gemittelt über die Energien der emittierten Photonen auch eine geringere Linienverbreiterung. Umgekehrt besitzen - besonders blaue - Hauptreihensterne der Leuchtkraftklasse V - besonders breiten Linien.
Pulsierende Sterne stehen an besonderen Stellen im Herzsprung Russel Diagramm (HRD). Während viele Riesen und Überriesen am rechten roten Rand des HRD's zu den Langperiodischen Variablen (LPV's) gehören, befindet sich der eigentliche Instabilitä,tsstreifen mitten im Diagramm. Nicht alle Sterne in diesem Bereich zeigen automatisch Pulsationen. Wenn jedoch die richtigen Bedingungen zusammenkommen, kann Pulsation angeregt werden.
Von den Delta Scuti Sternen, über RR Lyrae und VW Virginis Sternen, bis hin zu den klassischen beiden Cepheiden-Typen tummelt sich das "Who is Who" der Pulsationsveränderlichen in diesem schmalen Bereich. Die ebenfalls bekannten und oft mit den klassischen Cepheiden verwechselten Beta-Cepheiden hingegen, sind eine ganz eigene Klasse sehr heißer, blauer Pulsationsveränderlicher am linken Rand des HRD, deren Mechanismus bis heute nicht geklärt ist.
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Delta Cephei ist der Prototyp der pulsationsveränderlichen Cepheiden. Der direkte Zusammenhang zwischen ihrer Pulsationsperiode und ihrer Absoluthelligkeit ließ sie bei der erstmaligen Entfernungsbestimmtung der Andromedagalaxie als ein von unserer Galaxis unabhängiges Spiralsystem eine besondere Rolle spielen ("Die Große Debatte ~ 1920 - 1923"). Spektroskopisch interessant ist delta Cephei, da die Größenänderung seiner Oberfläche auch zu einer Änderung der Spektralklasse führt. Im Fall von Delta Cephei ist es innerhalb von 5,4 Tagen eine vollständige Schwankung zwischen "F5" und "G2" und wieder zurück.
Wie bei allen Pulsationsveränderlichen verändert sich die Sternoberfläche zusammen mit dem Volumen des Sterns aufgrund des instabilen Zusammenspiels zwischen Gravitation und Strahlungsdruck. Ist der Stern komprimiert, absorbiert die dichtere Materie die im Inneren des Sterns erzeugte Strahlung effizienter. Die aufgrund dieses Strahlungsdrucks entstehende Expansion führt jedoch wieder zu einer Verringerung des Absorbtionskoeffizienten, sodaß die Gravitation schließ wieder überwiegt und den Stern erneut komprimiert.
Die prominentesten Linien sind bei Sternen der F und G Klassen die Balmer - Linien sowie das Natrium - Dublett (abgesehen von den ganz rechts tief im Roten befindlichen Tellurischen Linien). Außerdem die Kalzium Doppellinie im blauen Bereich bei ~4740 Angstrom. Bei den niedrigeren Temperaturen kommt hinzu: CH (links markiert) und FeI. Außerdem verschiebt sich das Maximum bei der niedrigere Temperatur nach rechts in Rote. Die Gesamtintensität trifft hingegen keine Aussage, sondern entsteht lediglich durch die unterschiedlichen Belichtungszeiten.
Anders als die deutlich kälteren Delta-Cepheiden der Spektralklasse F, handelt es sich bei den Beta-Cepheiden um deutlich heißere B-Sterne. Ihre Pulsation wird nach gegenwärtigem Wissen nicht durch den klassischen Kappa-Prozess (Opazität des Heliums) getrieben, sondern entsteht nicht zuletzt durch die Druck- und Temperaturabhängigkeit der Opazität des Eisens.
Neben den radialen Pulsationen - der Stern ver¨ndert dabei seine Größe - werden auch den Stern umlaufende Wellenberge und -täler beobachtet. Diese sogennanten "p-Moden" (von p wie pressure/Druck) sind stehende Druck- und Dichtewellen, die aufgrund der sich verändernden Bedingungen in Richtung Sternzentrum wieder zurück zur Sonnenoberfläche gelenkt werden. Treffen sie auf ihrem Umlauf um/durch den Stern wieder auf ihren Ausgangsort, kann es zur Resonanzen kommen, welche sich stark aufschaukeln können. Solche Moden werden in kleinerem Rahmen auch auf der Sonne beobachtet.
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Ebenfalls um eine veränderliche Sternenklasse handelt es sich bei T Tauri Sternen. Diese sind junge variable, eher masseärmere, das heißt gelblich bis rötliche Sterne, um die sich nach ihrer Entstehungsphase noch eine heiße Akkretionsscheibe befindet. Im Herzsprung - Russel - Diagramm liegen sie noch oberhalb der Hauptreihe, auf die sie sich weiter zubewegen. Obwohl sie sich damit nicht in den klassischen Variabilitätszonen befinden, zeigen T Tauri Sterne eine ausgeprägte, jedoch irregulägte Variabilität. Bei sehr hoher Auflösung wird in Spektren der Zeemann Effekt sichbtar, mit dem intensive Magnetfelder nachgewiesen werden können. Starke Magnetfelder in den Systemen sind auch die Ursache für die beobachteten Jets, und Sternenwinde, die oft zur Erzeugung umgebender Nebel, den sogenannten Herbig - Haro Objekten führen. Im Gegensatz zu den Planetarischen Nebeln, sind diese jedoch oft unregelmäßiger und entstehen auch nicht am Ende des Sternenlebens, sondern eben ganz am Anfang.
Pekuliare Sterne sind Sterne, deren Spektrum oder andere Eigenschaften ungewöhnlich sind im Vergleich zu den meisten Sternen ihres Spektraltyps, insbesondere bei chemischen Anomalien. Aber auch andere Eigenschaften wie starke Sternwinde können zu Besonderheiten wie wie P-Cygni Profilen führen, welche zu Auffälligkeiten im Spektrum dieser Sterne gegenüber anderer Sterne des gleichen Spektraltyps führen.
P Cygni ist ein veränderlicher Stern mit einem bemerkenswerten Spektrum. Fast jede helle Emissionslinie besitzt einen "Überschwinger", der durch einen leicht blauverschoben Absorptionsteil hervorgerufen wird. Alle Linien enstehen in der durch Sternwinde ausgestoßenen Materie, und zwar besonders durch Stoßanrgung durch die bei Ionisationsprozessen freigesetzten Elektronen. Durch die in alle Raumrichtungen gleichmäßige Geometrie des Sternenwindes entsteht eine gewisse Linienverbreiterung, da einige Winde auf den Beobachter gerichtet sind und andere vom Beobachter weggerichtet sind. Hier entstehen Blau- und Rotverschiebung gleichermaßen.
Allerdings entfernen nur die direkt vor dem hellen Hintegrund des Sterns befindlichen Winde mehr Photonen aus der Sichtlinie als durch die folgende Abregung hinzugefügt werden. Somit führen die auf uns gerichteten und damit blauverschobendsten Linien nicht zu einer Verbreiterung der Emissionslinien, sondern zu direkt anliegenden Absorptionslinien. Es ist das bekannte P Cygni Profil, das nicht nur bei dem Namensgeber zu finden ist.
VY UMa gehört als C5 - Kohlenstoffstern zu den rotesten Sternen am nördlichen Himmel. Solche Sterne besitzen mehr Kohlenstoff als Sauerstoff. "Normale" Sterne werden aus diesem Grund auch gerne als "Sauerstoffsterne" bezeichnet. Wie an VY UMa schön zu erkennen ist, sind es vor allem die sogenannten Swan-Banden, die Absorptionslinien der sich bei niedrigen Temperaturen in der Sternatmosphäre bildenden C2 und CH Moleküle, die besonders das blaue Licht absorbieren. Somit erscheint der Stern noch viel roter als aufgrund seiner Spektralklassifikation angemessen wäre. Dies zeigt auch der direkte Vergleich mit dem - ebenfalls im großen Bären befindlichen M-Stern μ UMa. Die Swan Banden sind uns übrigens im täglichen Leben aus der blauen Flammenfärbung, von Gasbrennern bekannt. Hier allerdings in Form von leuchtenden Emissionslinien.
Vor den 1960er Jahren wurden diese Sterne als R oder N Sterne klassifiziert und seit Mitte der 1990er Jahren wird zu der oben verwendeten C-Klassifizierung diese Klassifizierung wieder mit aufgeführt. Etwa C-R oder C-N, da man hierdurch etwas detaillierter zwischen den einzelnen Absorbtionsfeatures unterscheiden kann. Zusätzich werden die neuen Klassen C-J, C-H und C-Hd verwendet.
Hin und wieder zeigen sich "neue Sterne" am Himmel, deren Natur lange Zeit im unklaren war, inzwischen jedoch recht gut verstanden ist. Bei einer Nova führt in gewissen Abständen der Massetransfer von einem Begleitstern auf einen weißen Zwerg zu einer dort erneut einsetzenden Kernfusion. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein großteil der Sterne in Doppel- oder Mehrfachsternsystemen gebunden ist, wird deutlich, dass es sich bei diesem Vorgang um gar kein so besonders exotisches Phänomen handelt, wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen wü,rde.
Tatsächlich hindern sich Sterne durch den Strahlungsdruck aus ihrem eigenen Inneren im Normalfall selbst daran, "durchzugehen". Im Laufe der Zeit lässt dieser Prozess jedoch nach, die Gravitation obsiegt, und im Inneren entstehen derart hohe Drücke und Temperaturen dass schwere Fusionsprozesse einsetzen können. Der hieraus entstehende Strahlungsdruck ist derart intensiv, dass diese Sterne sich dann wiederum aufblähen. Starke Sternenwinde können dann die äßeren Hüllen sogar abgestoßen so dass oft ein weißer Stern übrig bleibt. Wenn sich die beiden Sterne eines Doppelsternsystems auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen befinden, kann die Kombination aus einem dicht beieinander stehendem Weissem Zwerg und einem aufgeblä,hten Roten Riesen dann eine Nova bilden.
Eindrucksvoll das P Cygni - Profil, wie es gerade am Anfang einer Nova durch das mit hoher Geschwindigkeit ausgeworfene Material entsteht. Zu jeder Emissionslinie gibt es unittelbar daneben eine blauverschobene Absorptionslinie. Diese entsteht durch das zum Beobachter mit hoher Geschwindigkeit hin bewegte Material durch Absorbtion des hellen Hintergrundleuchtens der Nova. Emissionslinien hingegen entstehen durch hinausgeschleudertes Material aller sonstigen Richtungen vor dem dunklen Hintergrund des Weltalls. Aufgrund der transversalen Bewegungsrichtung, ist hier im Mittel keine Dopplerverschiebung zu erwarten.
Im März waren es noch die Helium-Linien, welche die dominantesten Nicht-Balmer Linien im Spektrum der Nova darstellten. Im Mai dagegen wurde die Nova deutlich heller und es neue Linien erscheinen! Ich bin ja nun wahrlich kein Nova-Spezialist. Aber es das Auftreten der Helium-Linien deutete zunächst wohl auf den wesentlich selteneren Typ "He/N". Nur die P-Cygni Profile sprachen doch eine andere Sprache, denn beim He/N Typus sollten die Linien Profile derart breit sein, dass keine Absorptionslinien mehr sichtbar sein würden. Aber .. hey .. sind das nun Fe II Linien, die da entstehen? Es scheint, als wandle sich der Typ der Nova zum "Fe II" Typus wandelt.
Zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt des Ausbruchs hatte ich bereits vor vielen Jahren (man sieht es auch an der Darstellungsweise), nä,mlich am 14. August 2013, eine im Delfin befindliche Nova erwischt. Ihr ursächliches Doppelsternsystem war bis zu diesem Ausbruch unbekannt. Insbesondere bei dieser Nova sind sehr starke Balmer-Linien zu erkennen, die blauverschobenen Absorbtionsfeatures sind bereits verschwunden. Obwohl ich gerade diesen ersten, besonders spannenden Zeitpunkt bei der Aufnahme dieses Spektrums verpasst habe, sind doch die Signaturen der Emissionslinien im Spektrum der Nova deutlich erkennbar.
Im Gegensatz zu den oben abgelichteten klassischen Novae, bei deren Helligkeitsausbrüchen es sich um thermonukleare Explosionen auf der Oberfläche des weissen Zwerges handelt, gehen die Helligkeitsveränderungen einer Zwergnova auf die Variabilität des Auftreffpunktes des Materiestroms vom Begleitstern auf die Akkretionsscheibe um den weissen Zwerg zurück. Die beobachtbaren spektralen Eigenschaften sind daher auch völlig andere.
Die oben stehenden Spektren entstanden im Abstand von mehreren Tagen nachen einem Ausbruch einer Zwergnova - SS Cyg - die neben U Gem, der Prototyp dieser Objektklasse darstellt. Interessant ist, dass neben der Änderung in der Gesamthelligkeit des kontinuierlichen Spektrums (die Zeitachse verläuft von unten nach oben) auch Linienintensitäten variieren und Absorptionslinienflügel um manche Balmer Linien nur kurz nach dem Ausbruch erkennbar sind. Dies liegt daran, dass das bis zum Ausbruch angesammelte Material der Akkretionsscheibe, nun auf den weissen Zwerg gefallen ist und das Material der Akkretionsscheibe selbst wieder optisch dünn wird.
In einer ganz anderen Liga spielen Supernovae am Ende des eines Sternenlebens. Auch hier gibt es unterschiedliche Prozesse. Allen gemein ist jedoch, dass es sich um einen destruktiven und nicht wiederkehrenden Prozess handelt. Deutlich seltener als die galaktischen Novae, kann man diese extrem hochenergetischen Prozesse im Laufe eines Astronomenlebens meistens nur in entfernten Galaxien beobachten.
Als am 4. Februar nach langer Schlechtwetterperiode erstmals der Himmel auch über Frankfurt wieder aufklarte, gab es für den Spektrographen aus meiner Sicht nur ein mögliches Ziel: Die Supernova SN2014J in M82. Obwohl eine der hellsten, weil nächsten Supernovae der vergangenen Jahrzehnte, ist sie für amateurspektroskopische Anwendungen recht dunkel, da das Licht des Spektrums über den gesamten Wellenbereich verteilt werden muss. Um so erfreuter war ich, als die für eine Supernova Typ Ia typischen breiten Absorptionslinien im Spektrum in dem vom Himmelshintergrund bereinigten Sektrum auftauchten. Parallel dazu montiert, gelang eine der ersten Aufnahmen mit dem neuen Apochromaten. Eine gelungene Entschädigung für das schlechte Wetter der vergangenen Wochen!
Bei einer Supernova Typ Ia überschreitet ein von einem massereichen Begleitstern gespeister weisser Zwerg die Chandrasekhar Grenze. Dadurch kommt es nicht mehr zu einer Nova. Vielmehr kollabiert der weisse Zwerg, da ab dieser Massegrenze die üblichen Kräfte versagen, die der Gravitation entgegenwirken. Die Materie entartet und der Zwerg wird mindestens bis zu einem Neutronenstern zusammengedrückt. Da ein weisser Zwerg jedoch ausreichend Kohlenstoff enthält, der unter diesen Bedingungen fusioniert, kommt es zuvor zu einer thermonuklearen Explosion, die den Prozess stoppt und das Doppelsternsystem zerstört. Aus den dabei auftretenden Geschwindigkeiten folgt die grosse Dopplerverbreiterungen der Spektrallinien.
Im Gegensatz zu Sternen oder Galaxien werden die Objekte unseres Sonnensystems durch unsere Sonne angestrahlt und ihre Spektren bestehen zu großen Teilen aus dem ursprünglichen, auch auf der Erde messbaren Tageslichtspektrum
Schade, so richtig viele Unterschiede sind nicht zu erkennenn zwischen den Gallileischen Monden. Vielleicht ein wenig bei Europa, der aufgrund seiner extrem eisigen und hellen Oberfläche recht viel Sonnenlicht reflektiert. Alle Linien entstammen dem an den Rändern abgeschnittenen, selektiv reflektierten Sonnenspektrum.
Generell werden Emissions- und Absorptionslinien in Spektren (fast) ausschließlich bei Gasen und so gut wie nie bei Festkörpern beobachtet. Schuld daran sind phononische Prozesse, also Wechselwirkungen mit quantenmechanischen Wärmebewegungen (Phononen), welche die Linienintensitäten abschwächen und die Energien verschmieren. Zudem ist die Bandstruktur von in Festkörpern ohnehin komplex, so dass zahlreiche Mini- Emissions- und Absorptionsvorgänge sich gegenseitig beeinflussen und ebenfalls zur Verschmierung und somit Abschwächung und beitragen.
Wer also nach Leben auf anderen (Exo-)Planeten und Monden sucht, ist auf die Analyse ihrer (hoffentlich vorhandenen) Atmosphäre angewiesen.
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Bildaufnahmen von ZTF sind ja inzwischen einige im Umlauf. Hier mal ein Kometenspektrum von Ende Januar 2023. Die Presse schießt sich ja so langsam auf den Begriff „grüner Komet“ ein. Als wenn das bei anderen Kometen bisher anders gewesen wäre ;-) . Dennoch – die dafür verantwortlichen, kometentypischen Swan-Banden sind hier besonders schön im blauen und grünen Bereich zu erkennen. Dabei handelt es sich um molekulare CO Vibrationsbanden, also ein Verbund ganz vieler, durch molekulare Schwingungen erzeugter, Linien des Kohlenmonoxid-Moleküls.
Zur Bildung von CO2 stand einfach nicht genug Sauerstoff zur Verfügung. In diesem Fall ist das ganz hervorragend, denn Kohlendioxid wäre füre uns im Sichtbaren praktisch unsichtbar. Durch die unvollstädige Oxidation erstrahlen jedoch breite Bereiche des blauen und grünen Spektrums hell. Im Spektrum sind diese links zu sehen.
Wer dieses Leuchten trotz des schlechten Wetters und sogar ganz ohne Frostbeulen sehen möchte, kann sich im heimischen Wohnzimmer eine Kerze anzünden. Im unteren Bereich der Kerzenflamme ist das CO ebenfalls noch nicht vollständig zu CO2 verbrannt und die Swan-Banden leuchten auch hier blau/grün. Voila – ein Komet im Wohnzimmer. :-)
Ich gebe zu, am Himmel aber um ein Vielfaches spannender.
Der im August 2009 von Gordon Garradd entdeckte Komet besitzt im Frühjahr 2012 seine beste Sichtbarkeit. Grund genug mit dem DADOS Spektrographen einen Blick auf ihn zu werfen. Trotz seiner Helligkeit von etwa 7 mag war zur Aufnahme des obigen Spektrums eine ganze Nacht notwendig. Das im obigen plot schwarze Summenspektrum enthält daher eine Kombination aus den tellurischen Linien des Nachthimmels, des Kometen - Halos sowie des Kometen - Kerns. Halo und Nachthimmelsspektrum habe ich für das "blaue" Spektrum abgezogen, so dass das fast strukturlose Spektrum des Kerns übrig bleibt. Der Bump zwischen 5000 und 5200 Angstöm liegt im türkis - grünen Bereich und besteht aus den Emissions - Banden des Kohlenstoffmoleküls C2.
Das Spektrum ist das Mittel aus 17 600-Sekunden Aufnahmen (~3 Std.). Der Kern des Kometen wurde auf dem 50µm Spalt des DADOS Spekrographen nachgeführt, und das Spektrum mit der Atik 314L aufgenommen. Die weitere Nachbearbeitung erfolgte mit ESO-MIDAS 07FEB.
In diesem Fall war der namensgebenden Panoramic Survey Telescope And Rapid Response System der Entdecker. Die hier abgebildete
Aufnahme eines Spektrums gelang mir am 7. April 2013 kurz vor Sonnenuntergang aus dem Taunus. Nach Abzug des
Himmelshintergrunds (in der Animation das zweite Spektrum mit weniger Emissionslinien) bleiben insbesondere
die im blauen Bereich des visuellen Spektrums leuchtenden C2
Emissionsbanden. Eine starke Natriumlinie kometaren Ursprungs - wie von einigen Beobachtern bermerkt -
konnte ich leider nicht feststellen.
Bei der Aufnahme von Spektren von Nachthimmelsspektren sollte man
darauf achten, dass das Zielobjekt eine möglichst hohe Position über dem Horizont einnimmt. Wie sehr die irdische Atmosphäre
ansonsten das Sternenlich beeinflusst, lässst sich an dieser Animation eines Sonnenuntergangs beobachten, die mir
im Oktober 2011 gelang. Rechts oben befindet sich der rote Teil des Spektrums. Nicht nur, dass sich das Spektrum in den
roten Bereich verlagert, die Wasser - Banden intensivieren sich. Steht ein Objekt tief am Horizont, so treten durch die
den langen Lichtweg durch die Atmosphäre der Erde die gleichen Effekte auf, die zum einen das Signal/Rausch Verhältnis
verschlechtern, zum Anderen zu einer "Rötung" des Spektrums führen, die herausgerechnet werden muss.
Planetarische Nebel gehören ohne Frage zu den spannendsten Deep-Sky Objekten. Bei diesen Nebeln dominieren die verbotenen [OIII] und [NII] Linien des zweifach ionisierten Sauerstoffs / einfach ionisierten Stickstoffs sowie das Hα und Hβ Leuchten des Wasserstoffs.
Ganz besonders deutlich werden die Linien des zweifach ionisierten Sauerstoffs und des einfach ionisierten Stickstoffs im eindimensionalen Spektrum sichtbar. Hier das eindimensionale Spektrum des Eskimonebels NGC 2392
C. R. Kitchin, Optical Astronomical Spectroscopy, IOP, 1995
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